Wenn Päpste sterben

Zeitungen und Aktualität – das passt nicht wirklich zusammen

Zwischen Redaktionsschluss, Andruck und Verteilung der Zeitung vergehen Stunden. Aktualität ist eine Schimäre. Bild: WZ-Archiv

Päpste sterben immer nachts. Das habe ich als junger Mann gelernt, weil zwei von ihnen mir den Gefallen taten, in tiefer Nacht das Zeitliche zu segnen. Der Tod von Paul VI. überraschte mich, als ich morgens um 6 Uhr in der Redaktion am Fernschreiber stand und die Deutsche Presseagentur eine Eilmeldung schickte. Ein Himmelsgeschenk für uns bei der Mittagszeitung, wir konnten das Dahinscheiden des Pontifex im August 1978 wenige Stunden danach quasi exklusiv melden. Einige Wochen später, ich stand wieder am Ticker, passierte das Gleiche noch einmal. Nach nur 33 Tagen Amtszeit war der Nachfolger, Johannes Paul I., ebenfalls gestorben, es stand am 28. September 1978 mittags in der Zeitung – und zwar nur in unserer. Wir waren begeistert.

Ich erzähle diese Geschichte gerne, wenn es um das Thema Aktualität geht. Denn sie zeigt, dass Schnelligkeit in der Berichterstattung immer von verschiedensten Umständen abhängt. Wäre der Tod der beiden Kirchenführer am frühen Nachmittag bekanntgegeben worden, hätte unser Blatt das Nachsehen gehabt, die konkurrierenden Morgenzeitungen hätten es am nächsten Tag vor uns gemeldet. Aktuell wären sie auch nicht mehr gewesen.

Nicht nur von Tages- und Uhrzeiten hängt viel ab, auch von Technik. Als 1830 Papst Pius III. starb, dürfte diese Nachricht im Jeverland, zu dem das Gebiet des heutigen Wilhelmshaven gehörte, erst mit etlichen Tagen Verzögerung angekommen sein, schließlich gab es noch keine Telegrafenstationen, geschweige denn Fernschreiber oder Telefone. Radio, Fernsehen, Telefax, E-Mail, Internet, Digitalkameras, Handys, Smartphones, Facebook und Twitter – mit jedem technischen Fortschritt hat auch das Thema Aktualität eine neue Wendung genommen.

Die Zeitung kann vor diesem Hintergrund nicht mehr wirklich aktuell sein, liegen doch zwischen Redaktionsschluss, Andruck und Auslieferung etliche Stunden, während sich Nachrichten im Netz in Bruchteilen von Sekunden verbreiten.

Aber Leserinnen und Leser haben natürlich ihre Ansprüche. Das Fußball- oder Handballspiel vom Vorabend möchten sie am nächsten Tag in der Zeitung nachlesen können, auch wenn sie – sofern sie Vollblut-Fans sind – natürlich abends schon bei Kicker Online geschaut oder das Spiel bei Sky gesehen haben. Die Macht der Gewohnheit.

In meiner ersten Woche als Ombudsmann des Brune-Mettcker-Verlages haben mich mehr als zwei Dutzend E-Mails und Briefe erreicht, für die ich mich herzlich bedanke. Viele Anregungen und Hinweise waren dabei, heftige Kritik an Veränderungen in der Zeitung. Manches interessante Gespräch ist daraus entstanden, gegenseitiges Verständnis geweckt worden – oder auch nicht. Auf die verschiedenen Themen werde ich an gleicher Stelle noch eingehen. Doch das Thema Aktualität, ausgelöst durch die Verlegung des Druckortes und festgemacht an den Sportergebnissen, zog sich durch fast alle Schreiben.

Der Verlag stellt nun bei Sportereignissen Ersatz-Aktualität her, in dem zusätzlich zum Abend-E-Paper (das der gedruckten Ausgabe entspricht), ein morgendliches E-Paper freigeschaltet wird, in dem aktualisierte Seiten mit Spielberichten oder Tabellen zu finden sind. Und auch das Internetportal „Lokal26“ soll für Aktualität am Abend genutzt werden. Das hilft nicht allen Leserinnen und Lesern, aber die meisten sind heute ohnehin im Netz unterwegs.

Einstweilen spielen uns wieder die erwähnten Umstände in die Karten. Zum Beispiel der, dass die Winterspiele am vergangenen Freitag in Peking eröffnet wurden und nicht in Lake Placid. Durch die siebenstündige Zeitverschiebung zu China kann auch der letzte Wettbewerb des Tages in die Berichterstattung der gedruckten Ausgabe einfließen. Glück gehabt!

Was ist Ihre Meinung? Haben Sie Fragen, Beschwerden? Sie erreichen mich unter bm.ombudsmann (at) outlook.de

2 Kommentare zu „Wenn Päpste sterben

  1. Sehr schön,,was Sie da schreiben Herr Burlager….ich kann mich auch gut an “ solche “ Zeiten erinnern, als ich damals in der NWZ im Labor und Redaktion als “ schnelle “ Fotografin morgens zum Fototermin mit meiner Kamera und dem Rad unterwegs war und auf schnellen Reifen zurück In die Redaktion sauste, um im Labor den Film zu entwickeln, damit das aktuelle Foto noch pünktlich fertig wurde für den Kurierdienst nach Oldenburg. Tolle, aufregende Zeit .

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