Nur ein paar Buchstaben

Hat die Zeitung ausgedient? Als einmal täglich ausgeliefertes Nachrichtenpaket auf Papier jedenfalls verliert sie an Bedeutung. Mehr und mehr versorgen uns elektronische Medien rund um die Uhr mit Information. Auch solche aus den bisherigen Zeitungsverlagen, die sich folgerichtig inzwischen oft als Medienunternehmen bezeichnen, so auch das Medienhaus Brune-Mettcker.

Eine andere Umbenennung, die Anfang Juni in Berlin beschlossen wurde, macht das Ende einer Ära umso deutlicher und kündet vom Beginn einer neuen. Der „Verband Deutscher Lokalzeitungen“, dem auch unser Verlag angehört, heißt jetzt  „Verband Deutscher Lokalmedien“. Die bisherige Abkürzung VDL kann praktischerweise beibehalten werden.

Halten die einen die gedruckte Zeitung schon lange für ein Auslaufmodell, so glauben die anderen noch an ihr Überleben. Doch die Namensänderung, der Verzicht auf das Wort Zeitung zugunsten des weiter gefassten Begriffs Medien, spricht Bände. Der Kongress des VDL hat damit nicht nur anerkannt, dass dem Digitalen die Zukunft gehört, er hat auch Medien die Tür zur Mitgliedschaft geöffnet, die ihr lokales Publikum nicht mit Gedrucktem erreichen, sondern über E-Paper, Internetportale, Videokanäle, Podcasts, Newsletter oder andere Verbreitungswege. Einzige Voraussetzung: Die Medien müssen ihre Inhalte gegen Bezahlung anbieten.

Wie sehr die Branche im Wandel ist, machte auf dem Kongress eine kurze Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz deutlich, der – vor dem aktuellen Hintergrund der totalen Desinformation des russischen Volkes durch staatliche Medienkontrolle – die Bedeutung der freien, unabhängigen Presse betonte. Sie sei schlechthin systemrelevant für eine funktionierende Demokratie. Gerade Lokalmedien gelinge es, Bürger zu erreichen und zu Engagement für das Gemeinwesen zu motivieren, die sich sonst eher herausgehalten hätten.

Die Bundesregierung verfolge genau, dass die Zeitungsbranche bei der Refinanzierung ihrer Erzeugnisse vor wachsenden Herausforderungen stehe. Die stark steigenden Kosten für Personal, Energie und Papier zwängen Redaktionen dazu, sich eher auf überregionale Inhalte auszurichten. „Wir wollen, dass die flächendeckende Versorgung mit regelmäßig erscheinender Presse gewährleistet bleibt“, sagte Scholz. Das Bundeswirtschaftsministerium prüfe deshalb aktuell, welche Fördermöglichkeiten geeignet sein könnten. Die Regierung habe zudem eine Studie über die Situation der Lokalpresse in Auftrag gegeben.

In der digitalen Transformation sieht der Kanzler aber auch Chancen. „Sie alle wissen heute zum Beispiel viel genauer als in der analogen Ära, wer Ihre Leserinnen und Leser sind, welche Texte sie lesen und welche Inhalte sie interessieren“, sagte Scholz vor den versammelten Verlegern und Journalisten. „Deshalb bin ich zuversichtlich, dass Lokalzeitungen auch in der digitalen Zukunft erfolgreich sein können.“

Wie staatliche Förderung aussehen könnte und warum sie nicht unumstritten ist, lesen Sie in der nächsten Kolumne.

3 Kommentare zu „Nur ein paar Buchstaben

  1. Lieber Helmut,

    herzlichen Dank für Deine immer interessanten Gedanken!

    Kann ich bei Deinen Zeilen auf den Gedanken kommen, dass die Branche jetzt auch auf das süße Gift der Staatknete schielt?

    Herzliche Grüße

    Jörg

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