„Als hätte man in Deutschland Loriot ermordet“

Blumen2Ich habe die letzten Tage darüber nachgedacht, etwas über die Liebe der Franzosen zum Comic zu schreiben. Über die Liebe zur „bande dessinée“, abgekürzt „BD“, die ich schon als Jugendlicher in den siebziger Jahren bei meinen französischen Jugendaustausch-Freunden so bemerkenswert fand. Totlachen konnten sie sich über die „graphic novels“, wie wir sie heute neudeutsch bezeichnen würden, die schon damals weit über Asterix & Co. hinausgingen. Eine ganz besondere Erzählweise, und eine völlig andere Art von Humor, als wir sie kannten. Und obgleich ich in Erinnerung habe, wie sehr sich damals meine Freunde in Dunkerque (Dünkirchen) darüber beömmeln konnten, ohne dass ich sie im Geringsten verstand, und dass meine Micky-Maus- und Donald-Duck-Geschichten nur ein Abklatsch dessen waren, was französische Zeichner zuwege brachten, habe ich keine Worte gefunden, das zu beschreiben. Umso schöner hat Pascale Hugues, Kolumnistin des „Tagesspiegel“ in Berlin, zum Ausdruck gebracht, was ich nie so hätte erzählen könnten. Der Comic, schreibt sie, stehe in Frankreich gleichberechtigt neben Camus und Balzac.

„Als hätte man in Deutschland Loriot ermordet“, ist ihr Beitrag überschrieben. So einen Vergleich muss man erst mal finden…

Für eine Idee sterben

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3 Gedanken zu „„Als hätte man in Deutschland Loriot ermordet““

  1. Er hinkt, finde ich. Wie alle Vergleiche. Schön ist er trotzdem, weil er zeigt, wie grotesk all das ist. Erst kürzlich habe ich gelesen, welche Probleme Loriot bekam, als er im Stern mit seiner Reihe „Hundemenschen/Menschenhunde“ begann. Kaum mehr vorstellbar heute, oder?
    Aber: Die Frauen und Männer von Charlie Hebdo haben aus meiner Sicht eine andere Aufgabe erfüllt, als der leise und feine Mensch Loriot. Sie waren politisch. Und plakativ. Nach meinem persönlichen Empfinden hinken sämtliche Vergleiche mit deutscher Satire, auch der mit der Titanic.

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    1. Stimmt, Heike, man kann französische und deutsche Satire nicht vergleichen. Aber der Vergleich „Als hätte man in Deutschland Loriot ermordet“ macht für denjenigen, der die Bedeutung der Bandes Dessinées für die Franzosen nicht kennt, besonders deutlich, welche Wirkung diese schrecklichen Taten für die Menschen in unserem Nachbarland haben.
      Ich persönlich fühle mich an den „deutschen Herbst“ erinnert, als wir angesichts der Terrorserie der RAF dachten: Hört das wieder auf? Was kommt noch?

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      1. Apropos Loriot, zu ihm fiel mir heute das hier als Antwort auf die Frage „Wie weit darf Satire gehen“ ein: http://www.spiegel.de/einestages/tragische-anfaenge-eines-komikers-a-947258.html

        Zur aktiven Zeit der RAF war ich noch zu jung, um etwas zu verstehen. Aber das Thema hat mich dann im Nachhinein sehr interessiert. In einer gewissen Erwartungserhaltung also harre ich der Erkenntnisse, die da nun kommen mögen. Die Angst vor dem Unberechenbaren trage ich auf eine Art immer bei mir. Manchmal bin ich wirklich unendlich froh, so weit ab vom berühmten Schuss zu leben.

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